politeia: Zugrundeliegende Ideen

Wie motiviert man andere (auch weniger politisierte) Menschen, sich für ein Thema zu engagieren? Ich habe einige Zeit lang mit meinem z?on politikon Newsletter versucht, Menschen in meiner Verwandschaft und meinem Freundeskreis gewisse Themen, die abseits vom (medialen) Mainstream liegen, näherzubringen und sie zB zur Unterzeichnung von Online-Petitionen zu motivieren. Meine Hoffnung war, dass sich daraus vielleicht eine erhöhte Sensibilisierung, Multiplikation und Diskussionskultur (via der Kommentarfunktion meines Blogs) entwickelt. Während bei Einzelnen zwar vielleicht die Sensibilisierung stattfand, blieb der größere Effekt eher aus, bzw. war auch schlecht messbar (wer hat sich mit welchem Thema auseinander gesetzt, es weitergeleitet,…?). Obendrein war der Aufwand für mich doch einigermaßen hoch: Ich selbst habe von diesen Themen zB über diverse Attac-, Greenpeace– und mehr demokratie!-Mailinglisten und -Newsletters erfahren, die eine Fülle an brisanten Inhalten aufzeigen, für die aber nicht einmal ich selbst immer meine volle Aufmerksamkeit und Zeit aufbringen konnte. Meine Auswahl richtete sich zum Teil erst wieder danach, welche Themen mir für meine Rezipienten leichter zugänglich erschienen. Dadurch übernahm ich absurderweise eine den Mainstream-Medien verwandte Funktion. Die Aufbereitung für mein weniger politisiertes Umfeld war eine zusätzliche Anstrengung, die teilweise sogar redundant war, wenn ich zB nur Zitate aus meinen Quellen postete.

Ich vermute mal, dass es vielen Menschen im zivilgesellschaftlichen Umfeld (oder allgemein: mit gewissen Überzeugungen und einer Sensibiliserung für gewisse Themen) ähnlich ergeht — aber was kann man tun, um die Themen, die einem unter den Nägeln brennen, anderen Leuten näher zu bringen? Ich hoffe, dass der Erfolg Sozialer Netzwerke nahelegt, dass Menschen sich eher für Dinge interessieren, die von ihren Freunden und Freundinnen geteilt werden — wobei der Plural wichtig ist: wenn ich den Eindruck habe, dass ein Freund oder eine Freundin sich für ein Thema engagiert, so werde ich das vielleicht eher als individuelle Spinnerei abtun, als wenn gewisse Themen einen Großteil meines Freundeskreises bewegen. Soziale Netzwerke ermöglichen hier vielleicht eine gewisse verstärkende Rückkopplung.

Andererseits habe ich einen sehr positiven persönlichen Eindruck von der Form von Partizipation, wie sie die Mitarbeit an der Entwicklung Freier Software darstellt. Irgendwann habe ich mich sinngemäß gefragt, warum nicht die Gesellschaft ebenso diskutier- und gestaltbar im Internet auftritt, wie das etwa Linux oder Firefox tun. Potenziell könnten ja auch Gesetzestexte von gewählten Repräsentanten und Repräsentantinnen „maintained“ werden, wären aber für alle offen zum Beitrag konkreter Kritik, von Änderungs- und Erweiterungsvorschlägen, und letztendlich zur Abstimmung darüber. Das ist gewissermaßen das utopische Fernziel der politeia.

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