Fuel costs and commuters‘ compensation

After recently reading an article in the online version of Austrian newspaper Der Standard that pretty much expresses what I’ve been thinking about the government’s measures in order to cater for people’s demands for financial aid to compensate for increased fuel prices, I’ve felt the need to elaborately write to a couple of politicians regarding the issue.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin enttäuscht über Ihre Maßnahmen bzgl. gestiegener Treibstoffkosten.

Mir kommt die Vorgangsweise, von staatlicher Seite die gestiegenen Kosten für Öl etc. durch Erhöhungen von Pendlerpauschale und km-Geld zu subventionieren, populistisch und perspektivenlos vor.

Natürlich haben Sie Respekt vor den Autofahrer-Lobbys, Angst, dass die blau-orangen Hasspredigten wieder einmal Wähler von Ihren Parteien abziehen, müssen auch an die öst. Mineralölwirtschaft denken und können im Bereich des öffentlichen Verkehrs nicht zaubern.

Mich würde nur interessieren, was passiert, wenn die Ölpreise weiter steigen (was ja nicht unbedingt unerwartet wäre). Weitere Kniefälle vor den und Zuckerl für die Autofahrer(n)? Eine Fortsetzung der Politik der „kurzfristigen Sofortmaßnahmen“ im Bereich Verkehr, Mobilität, Infrastruktur und Umweltschutz lässt auf Plan-, Willens- oder Ahnungslosigkeit schließen.

Im Rahmen der steigenden Treibstoffpreise bietet sich die wunderbare Gelegenheit, eine Mobilitäts-Trendwende zu beginnen. Sie aber predigen Wasser und schenken Wein aus.

Wo bleibt

  • die viel herbeigesehnte Kostenwahrheit im motorisierten Individualverkehr?
  • der Ausbau der Schiene, besonders im Güterverkehr?
  • der Ausbau und die Koordinierung und Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel? (In diesem Punkt habe ich subjektiv sehr gute Erfahrungen in der Tschechischen Republik gemacht)
  • das Ende der Zersiedelung, die durch undurchsichtige Umwidmungen zur Errichtung von Einfamilienhäusern und Einkaufszentren produziert wird?(Wie optisch ansprechend finden Sie persönlich „Umlandgemeinden“ wie jene an den 21. und 22. Bezirk grenzenden oder jene im Süden von Wien? Fühlen Sie sich für deren Erscheinungsbild mitverantwortlich? Haben Sie nicht das Gefühl, etwas an solchen Entwicklungen ändern zu können?)
  • die Verschiebung von Belastungen vom öffentlichen hin zum Individualverkehr? Was kann so schlimm sein am Treibstoffpreis, wenn selbst ermäßigte Bahnfahrten ?für zwei Personen zwischen großen Städten (zb Wien-Linz, Wien-Graz, also voll ausgelastete, vermutlich rentable Verbindungen;  €14,60 bzw €15,70 Euro, jeweils pro Person, 2. Klasse) noch immer teurer sind als der Sprit für die Autobahnfahrt im (verbrauchsstarken) Wagen (Überschlag: 200 km * 10 l/100 km * €1,35/l = € 27)?
  • die Einführung von City-Mauten?
  • die Förderung kleinräumiger (Land)Wirtschaftsstrukturen?
  • die Förderung neuer Arbeitsmodelle (zb Telework), besonders im Dienstleistungsbereich?
  • die Verbesserung der Lebensqualität in den Städten, um der Flucht ins Umland Einhalt zu gebieten?
  • im Bereich der Pendler die weit verstärkte Föderung des ÖPNV zu Ungunsten des Individualverkehrs?
  • der großflächige Ausbau von Fahrradanlagen?
  • ein Ende für den Zugang, Verkehrsdelikte seien keine Kavaliersdelikte, sondern überhaupt das gute Recht der ausgebeuteten Auto fahrenden Bevölkerung, und jede einigermaßen exakte Exekution von Geschwindigkeitsbeschränkungen sei anstößig?
  • das Mittragen von EU-Vorlagen zur Emmissionseindämmung im Verkehr (anstatt für die deutschen Automobilkonzerne Erfüllungsgehilfe zu spielen)?

Warum sind diese Punkte in Ihrer Politik solch unvorstellbare Chimären?
Ist es so viel einfacher, immer nur weiter Geld in den Autoverkehr zu buttern?

Was ist zu erwarten, wenn zudem gerade Jungfamilien in die Speckgürtel flüchten und deren Kinder von klein auf lernen, dass man sich nur motorisiert angemessen fortbewegen kann? Das ist durchaus verbreitete Geisteshaltung, die dann eben zwei PKW und ein bis zwei Mopeds pro Familie zeitigt! Wollen Sie tatenlos dabei zusehen, wie das von Generation zu Generation multipliziert wird? Dabei, dass obendrein die Städte aufgrund des dadurch wieder steigenden Verkehrsaufkommens weiter veröden, inattraktiv werden und die Flucht in die Speckgürtel sich selbst potenziert?

An irgendeinem Punkt sollte es zumindest einer von Ihnen wagen, nicht immer nur nolens volens kopfnickend den Mantras der Pendler zu glauben, „es gehe nun einmal nicht anders“. Sie sollten nicht einfach nur einzugestehen, dass die Infrastrukturen hie und da unterentwickelt ist, und all Ihr Budget und Ihre Initiative in „Soforthilfe“-Sprit für Leute investieren, die sich trotz ach so hohen Spritpreises einen SUV leisten (höchste Neuankaufraten 2006 lt Profil in Wien. Aber das sehen Sie vermutlich auch, wenn auf der Straße gehen.) Sie sollten lieber einmal ernsthaft darüber nachdenken, was Sie in Zufunft für realistisch halten:

  • Weiterer Zuwachs des motorisierten Individualverkehrs
    • in massivem Ausmaß
    • in geringem Ausmaß
  • Stagnation
  • Rückgang

Ich selbst würde auf massiven Zuwachs tippen. Das ist aber ein zynisches Vorrecht, das Sie nicht haben können. Mit all seinen Schäden des Autoverkehrs kann für Sie nur die Reduktion eine Option sein;  andernfalls mangelt es Ihnen an Gestaltungswillen oder politischem Selbstbewusstsein gegenüber Wirtschaft und Wählern.

Letzteres ist vermutlich ein sehr allgemeines Problem. Sie sollten aber — gerade im konkreten Fall — nicht die Investition in einen allgemeinen Stimmungsumschwung scheuen. Der Boden ist in manchen Bevölkerungsteilen durch Umweltbewusstsein, Klimawandel und (in ihrem Erfolg aber noch immer viel zu mäßigen und überproportional schön geredeten) Kampagnen für den Umweltverbund (v.a. Fuß, Rad, Bus, Bahn) bereitet. Es kann aber nicht sein, dass nur diese Bevölkerungsteile das asoziale Verhalten des restlichen Teils kompensieren müssen (und geht sich umweltbilanzmäßig vermutlich auch nicht aus) — und diese Wahrheit sollte die Bevölkerung auch erfahren!

Sehen Sie zu, dass die Mittel gebündelt in die Alternativen zum Auto fließen. Dann können Sie auch der „für mich muss eine Ausnahme gelten, denn meine Situation ist besonders“-Mentalität so vieler Auto-Pendler etwas entgegen halten.

Das alles können Sie übrigens teilweise auch im Standard nachlesen (oder haben Sie vielleicht schon, hoffentlich nicht nur kopfschüttelnd):
http://derstandard.at/?url=/?id=3353554

Und sprechen Sie nicht immer nur von Ihren Vorhaben zu Umweltschutz und Strukturverbesserung, wenn Sie sich dann wieder von ÖAMTC und ARBÖ gängeln lassen. Reden sie mit lieber mehr mit dem VCÖ
http://www.vcoe.at/ – dort finden Sie nachhaltigere Zugänge.

Mit freundlichen Grüßen und in der Hoffnung auf sinnvolle Maßnahmen

[ockham]

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